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ERFAHRUNGS-HEILKUNDE
Ganzheitsmedizin |
SCHULMEDIZIN
Klassisch naturwissenschaft-lich orientierte Medizin
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Grundlegende Axiomatik
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Das Ganze ist
mehr als die Summe seiner Teile („Vitalismus“).
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Das Ganze ist die
Summe seiner Teile (Reduktionismus).
Lebende Systeme
sind primär passi-ve Systeme (z.B. bestimmte innere Kenngrößen werden
von außen durch den Arzt spezifisch einge-stellt).
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Menschenbild
(Bild lebender Systeme) |
Der Mensch ist
ein nicht-linear ver-netztes Individualsystem mit emer-genten
Aufwärtsübergängen und re-levanten Abwärtsübergängen in sei-ner biologischen
Schichtungshierar-chie.
Mensch =
Körper-Seele-Geist-Wesen, primär: Ganzheit;
Entwickelndes,
ganzheitlich-organi-siertes System (Ganzheit, Gestalt).
(siehe Anmerkung
1)
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Der Mensch ist
eine biochemisch-biophysikalische Maschine nahe am thermodynamischen
Gleichge-wicht; Linearität; „biochemischer Reaktor“;
Statisches
System.
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Grundlegender empirischer Bezug |
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Mensch
(allgemein-biologische Merkmale der Spezies Mensch); standardisierter
Durchschnitts-mensch = Individuummodell.
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Symptome
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Aktive
Selbstheilungsbestrebungen; Zeichen von regulativen Leistungen innerhalb des
Systems
(es gibt keine
Trennung zwischen „kranker“ und „gesunder“ Physiolo-gie).
Prinzip:
Krankheit = Heilung.
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Funktionsstörungen;
Defekte der
komplexen Maschine; (Modellvorstellung einer „kranken“ Physiologie).
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Krankheit
(Heilung)
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Individuelle
Symptome als „äuße-rer“ Ausdruck des Heilungsprozes-ses (Lernprozesses);
Entwicklung (auch
krisenhaft) mit bedeutungsvollen Symptomen zur individuellen Reife.
Prinzip:
Krankheit = Heilung = krisenhafter Entwicklungsschritt.
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Statisches
Krankheitsmodell (typi-scher überindividueller, intersub-jektiver
Symptomenkomplex) ohne individuelle Bedeutung als Lernpro-zeß.
Komplex von
Funktionsstörungen und Defekten.
Prinzip:
Krankheit ist der Gegen-satz von Heilung.
Krankheit ist
immer an lokalisier-bare Phänomene gebunden.
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Heilung
(im Sinne von Prozeßende) |
Symptomenfreiheit
durch innere Auflösung der Symptome, denn sie haben ihren Zweck erfüllt.
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Symptomenfreiheit
im Sinne der Symptomenbeseitigung, denn sie sind zwecklos (die „Maschine“
wurde repariert).
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Grundlegendes therapeutisches Konzept |
Förderung
/Anregung der Selbst-heilungs- oder Selbstregulations-bestrebungen; ev.
Substitution;
Therapie des Individuums.
Primär konkretes
therapeutisches Prinzip: Ausleitungsprinzip. (Mensch = primär aktives
System). |
Unterdrückung der
Symptome; Entfernung des Symptomenherdes;
Substitution; das
komplexe Regel-system wird durch starke Eingriffe übersteuert;
Therapie des
Krankheitsmodells. (Mensch = primär passives System).
(Siehe Anmerkung
2)
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Grundlegendes diagnostisches Konzept |
Aufnahme der
individuellen Symp-tome (äußere Zeichenaufnahme, Re-gulationsstatus,
systemtheoretisches Vorgehen an der Black Box ); Funktionsanalyse der
Regulation.
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Bildgebende
Verfahren, um mor-phologische Anomalien zu erken-nen;
Chemisch-physikalische Analyse der Körperflüssigkeiten und Ver-gleich mit
Durchschnittswerten
(Die Abweichung
von Normwerten wird immer als Funktionsstörung interpretiert, nie als
zweckgebun-dene, innere regulative Leistung, im Sinne der individuellen
Selbst-stabilisierung und –weiterentwick-lung).
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Nebenwirkungen
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Keine, bei
adäquater Therapie-durchführung;
allenfalls
überschießende Regula-tionsbestrebungen, wie z.B. die ho-möopathische
Erstverschlimme-rung, bei zu starker Anregung der Selbstregulation (das sind
aber kei-ne Nebenwirkungen) |
Prinzipiell gibt
es immer Nebenwir-kungen, da der Zustand des Indivi-duums niemals mit der
Modell-krankheit übereinstimmt;
ein Individuum
hat je mehr Neben-wirkungen, je unzweckmäßiger (un-passender) das
Krankheitsmodell seinen Zustand beschreibt, denn die jeweilige Therapie ist
auf das Krankheitsmodell bezogen.
Die
Nebenwirkungen zeigen die fal-schen Hypothesen in der Theorie über die
inneren Wirkungszusam-menhänge.
Konkret wird also
nie der individu-elle Mensch, sondern immer nur das Krankheitsmodell
therapiert (z.B. die Gallensteine auf Zimmer 106).
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Zweckmäßigkeitsbereich
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Alle
Nicht-Notfall Therapien |
Notfalltherapie
(hier geht es um re-lativ lineare spezieskonstante Wirk-schienen, die
intersubjektiv gut mo-dellierbar sind);
Chirurgie.
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Dokumentation des Therapieerfolges,
Methodenbewährung, Wirksamkeitsnachweis |
Einzelfalldokumentation;
Gestaltsorientiertes Kausalerken-nen (gestaltsorientierter
Wirksam-keitsnachweis) am Einzelfall;
zunehmende
Erfahrung in indivi-duellen Situationen (Erfolgsquote) verdichtet sich zur
Bewährung der angewandten Methoden.
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Dokumentation der
Veränderung des betreffenden Krankheitsmodells (das sollte nicht verwechselt
werden mit der Besserung des individuellen Wohlbefindens) durch klassisch
naturwissenschaftlich durchgeführte klinische Studie, analog einer
ex-perimentellen Situation.
(Klinische Studie
= Standardthera-pie am Krankheitsmodell)
Da das
Krankheitsmodell eine über-individuelle Konstruktion ist, und im Prinzip nur
quantitative Kenn-größen berücksichtigt werden, müs-sen die Veränderungen
bei vielen Individuen dokumentiert werden; deshalb ist die Anwendung
statis-tischer Modelle, unter Berücksich-tigung individueller
Kenngrößen-niveaus, unbedingt notwendig, wo-bei auf die
Anwendungsvorausset-zungen bei solchen Individualsys-temen, wie beim
Menschen, sorg-sam zu achten ist (statistischer Kausalnachweis)
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Methodengewinnung
(neue) |
Systemtheoretisch-synthetisch am Individuum orientiert, unter
Berück-sichtigung des gestaltsorientierten Kausalerkennens und
grundlegen-der naturphilosophischer Konzep-te;
die jeweiligen
hypothetischen wis-senschaftlichen Modelle einer Zeit, über die inneren
Wirkungszusam-menhänge im Menschen, sind nicht relevant, entscheidend sind
die In-put-Output-Relationen der Black Box oder Ganzheit „Individuum“ auf
der Ebene des Beobachters, also die Phänomene;
Beobachter und
Beschreibungsob-jekt befinden sich auf der gleichen
biologisch-hierarchischen Ebene
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Linearkausal-analytisch, reduk-tionistisch; methodische Basis sind
größtenteils lineare hypothetische Ursache-Wirkungsmodelle inner-halb des
komplex vernetzten Sys-tems Mensch;
experimentelle
Situationen an Tier-modellen, Übertragung der Ergeb-nisse auf den Menschen
(Modell-Original-Problematik);
experimentelle
Situationen am Men-schen (statistischer Kausalnach-weis)
(morphologisch,
biochemisch, lokal, reduktionistisch, statisch) |
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Grundlegender theoretischer Überbau |
Keine therapierelevanten
hypo-thethischen Annahmen über das Innere des Menschen!!
Erkenntnisgewinnende Methode: Systemtheoretische Vorgehensweise am ganzen
Menschen ohne reduk-tionistisch-materialistische Be-schränkungen.
Nachträgliche Projektion plausibler Wirkungsmodelle in den Menschen, die
größtenteils auf analogen Pro-jektionen zwischen den einzelnen
Wirklichkeitsebenen beruhen (Mik-rokosmos – Makrokosmos)
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Mehr oder weniger
isolierte hypo-thetische Theorien über das Innere des Menschen bilden den
theoreti-schen Überbau;
mechanistisch-reduktionistisch-ana-lytische Vorgehensweise;
je vernetzter und
nicht-linearer die Zusammenhänge im Inneren des Menschen, desto empirisch
aussage-loser werden die theoretischen Kon-zepte, die aber therapierelevant
sind (Folge: Nebenwirkungen) |
Anmerkung 1 zur
Tabelle 1:
Eine konsequente
ganzheitsmedizinische Position beschränkt sich nicht nur auf die
biologisch-hierarchische Ebene des Menschen. Man kann Ganzheitsmedizin nicht mit
einer isolierten Individuumbetrachtung durchführen. Der Mensch existiert de
facto nur als Mensch-Umwelt-Gestalt. Der Mensch und seine Umwelt (physikalisch,
biologisch, sozial) sind in einer Evolutiven Einheit untrennbar miteinander
verbunden. Auch z.B. soziologische Systeme, wie die Familie, oder auch die
berufliche Situation, müssen bei der Diskussion von Krankheit und Gesundheit
mitberücksichtigt werden. Krankheit hat auch immer Auswirkungen auf (Zwecke)
und ist auch immer Folge von Beziehungen des Individuums zu seiner Umwelt.
Krankheit ist immer nonverbale Kommunikation oder soziales Handeln. Symptome
eines Individuums sind immer auch Zeichen für andere (und für das Ich) und damit
auch als Selbstheilungsbestrebungen überindividueller Beziehungssysteme zu
interpretieren.
Zur detaillierten
Kritik des reduktionistischen Denkens in der klassischen Naturwissenschaft und
Medizin wird auf Uexküll und Wesiack (1998) und Zycha (1996) verwiesen. In
dieser kurzgefassten Übersicht können nicht alle Aspekte diskutiert werden.
Anmerkung 2 zur
Tabelle 1:
Der
schulmedizinische Ansatz das komplexe Regelsystem Mensch durch starke Eingriffe
zu übersteuern, führt zur Unterdrückung der Selbstregulationskapazitäten. Eine
solche Strategie ist nur im Notfall biologisch sinnvoll. Bei solchen komplexen
Systemen muss die Förderung der Eigenregulation das primäre therapeutische Ziel
sein.
Die obige Einteilung ist
idealtypisch zu verstehen! Zwei Klassen von Sicht- und Handlungsweisen werden
idealisierend einander gegenübergestellt, um einen Orientierungsbezug für die
Bewertung konkreter Methoden in der komplexen Wirklichkeit zu haben. Bei den
einzelnen Methoden in der Praxis gehen diese idealtypischen
Merkmalskonstruktionen teilweise fließend ineinander über. Dies gilt
selbstverständlich auch für die methodischen Ansätze in der Erfahrungsheilkunde
und deren Wirkungs- und Wirksamkeitsprüfungen.
Im ganzheitlichen Paradigma
wird der Mensch (und auch die Welt) als Körper-Seele-Geist-Wesen betrachtet.
Teilweise, wie z.B. in der Anthroposophie, werden auch konkrete ganzheitliche
Gestaltungsprinzipien postuliert.
Der wichtigste Unterschied in
Bezug zum schulmedizinischen Paradigma – im Hinblick auf die konkrete
Handlungsorientierung in der therapeutischen Situation – besteht darin, dass
Krankheit als der Weg aus einer Lebenskrise verstanden wird und nicht als die
Lebenskrise selbst. Mit „Lebenskrise“ ist die Infragestellung der aktuellen
Wirklichkeitskonstruktion, auf einer körperlichen, geistigen und seelischen
Ebene, gemeint.
Krankheit ist der Versuch des
Menschen, und die Symptome sind dessen äußerer Ausdruck, sich in seiner
evoluierten Mensch-Mitwelt-Gestalt weiterzuentwickeln und an den
Herausforderungen zu lernen. Krankheit wird als ein Lernprozess auf einer
körperlichen, seelischen und geistigen Ebene betrachtet, den es zu fördern gilt.
Die so genannten
„Kinderkrankheiten“ sind ein idealtypisches Beispiel solcher Lernprozesse. Sie
sind ein elementarer Teil des Bildungsprozesses des spezifischen, erworbenen
Abwehrsystems (Immunsystem) des Menschen durch Vermittlung der regionalen
„Erregerstruktur“. Nur durch solche coevolutiven Lernprozesse können wir als
Menschen überleben.
Mit Krankheit in diesem Sinne
ist selbstverständlich nicht der biologische Alterungsprozess gemeint.
Die Anregung der
Selbstheilungskapazitäten der Mensch-Mitwelt-Gestalt ist daher das goldene
therapeutische Prinzip der Ganzheitsmedizin. Konkret ist es nach
Jahrtausendealter Erfahrung die Anregung der Ausleitungsfähigkeiten des
Menschen, das „Abwerfen von unnötigem Ballast“, auf allen Ebenen: der
körperlichen, der seelischen und der geistigen. Nur so ist ein „Neuanfang“
möglich. Das nötige Potential liegt im Individuum selbst, solange es lebt.
Auch alle informativen und
regulativen Therapien wirken letztendlich über die Anregung der
Ausleitungsschiene. Jeder Praktiker kennt die „kritischen Ausleitungen“ bei
informativen Therapien.
In einer thermodynamischen
Betrachtungsweise offener Systeme ist die Anregung der Ausleitungsfähigkeiten
nichts anderes, als die Anregung des Entropieexports (Unordnungsausfuhr) aus der
Ganzheit Mensch, der die inneren Neuordnungs- und Neustrukturierungsprozesse
widerspiegelt (Galle 2004 und 2005, dort detailliertere Literatur). Konkret sind
die Formen des menschlichen Entropieexports:
Im
schulmedizinischen Paradigma bedeutet Krankheit Funktionsstörung einer seelen-
und geistlosen Menschenmaschine. Der Krankheitsbegriff selbst wird sogar auf
die, unserer evoluierten Alltagserfahrung nicht zugänglichen, Subsysteme des
Menschen übertragen. Man spricht dann von „kranken“ Zellen und sogar von
„kranken“ Molekülen.
Die Symptome sind, oder
repräsentieren, Funktionsstörungen oder Defekte der „kranken Menschenmaschine“.
Sie sollten eliminiert werden, damit der Mensch so schnell wie möglich wieder
äußerlich funktioniert. In dieser Sichtweise ist es konsequent die Symptome zu
unterdrücken (die aktiv-autonomen Regelkreise zu übersteuern), die Symptomherde
zu entfernen oder bestimmte innere Kenngrößen von außen „einzustellen“, wenn sie
bestimmten überindividuellen Normwerten nicht entsprechen.
Allen körperlichen,
seelischen und geistigen Aktionen des Menschen, die nicht bestimmten Normwerten
entsprechen, wird Sinnlosigkeit oder Unzweckmäßigkeit, in Bezug auf einen
standardisierten Durchschnittsmenschen (den es de facto gar nicht gibt),
unterstellt. Der Mensch (oder besser die Mensch-Mitwelt-Gestalt) hat keine
eigene Vernunft, obwohl er schon drei Milliarden Jahre Evolution, und damit nach
Konrad Lorenz „erkenntnisgewinnender Prozess“, durchlaufen hat. Die akute
Tonsillitis ist dumm und sinnlos, sie muss so schnell wie möglich verschwinden.
Die Strategie: keine Hilfe zur Selbsthilfe, sondern brutale Übersteuerung des
Systems mit dem Notfallmedikament Antibiotika. Die Nebenwirkungen, z.B. auf das
Symbiosesystem des Menschen mit den physiologischen Darmbakterien, sind der
Preis für die schnelle „Hilfe“. Oder es wird die Notlüge schlechthin in diesem
paradigmatischen Kontext aus dem „Hut gezaubert“: „Wenn etwas wirkt, muss es
auch Nebenwirkungen haben“.
Soweit zum inhaltlichen Kern
des schulmedizinischen Paradigmas. Ihm liegt ein Menschenbild zugrunde, das
einem das Fürchten lehrt. Ist der Mensch wirklich nichts anderes als eine dumme,
komplizierte, biochemisch-biophysikalische Maschine? In einem solchen
Menschenbild ist der Mensch selbstverständlich zu keinen Lernprozessen fähig.
Die Unzweckmäßigkeit der
schulmedizinischen Modelle für ein sinnvolles therapeutisches Handeln zeigt sich
allerdings dann auch täglich in der Praxis (ausgenommen Notfallmedizin und
Chirurgie). Diese Art der „Akutmedizin“, d.h. die Anwendung von
Notfallstrategien im Nicht-Notfall, und damit die Verhinderung von Lernprozessen
vom frühesten Kindesalter an, ist eine der wesentlichen Ursachen der zunehmenden
Chronifizierung von Krankheiten in unserer Gesellschaft. Unterdrückte
Lernprozesse haben eben die Tendenz sich immer wieder bemerkbar zu machen.
Diesen „Schatten“ wird man nicht mehr los. Das zugrundeliegende Problem ist eben
nicht gelöst.
Die naturheilkundlichen
Praxiserfahrungen bestätigen dies: chronische Krankheiten heilen ausnahmslos nur
über akute Phasen aus. „Heilen“ im Sinne des ganzheitlichen Paradigmas gemeint.
Der Lernprozess kann nur stattfinden, wenn er aktualisiert wird.
TOP
Epilog
Im Streit zwischen
Alternativer Medizin (Naturheilkunde) und Schulmedizin spiegelt sich –
gesellschaftlich institutionalisiert – die grundlegende erkenntnismethodische
Unschärferelation wider: Je mehr man sich auf das Ganze fokussiert, desto
unschärfer werden die Teile eines Systems erfassbar und je mehr man sich auf die
Teile konzentriert, desto unschärfer wird das Ganze erfassbar.
Beide Perspektiven lebende
Systeme (Menschen) zu betrachten und zu untersuchen, haben ihre Vor- und
Nachteile.
Die Zerstörung des Ganzen und
die Untersuchung seiner materiellen Teile (reduktionistisch-materialistische
Vorgehensweise) gibt uns Einblicke in das Verhalten der Teile, die allerdings
den Aspekt des Ganzen vernachlässigen. Das medizinische Handlungswissen, das
durch solch eine erkenntnisgewinnende Methode gewonnen wird, erlaubt uns ein
schnelles Handeln in Notfallsituationen. Negative Nebenwirkungen auf intakte
Teilsysteme sind in solchen Fällen tolerabel. Diese Nebenwirkungen sind ja
Ausdruck der Nichtberücksichtigung wichtiger ganzheitlicher Zusammenhänge beim
therapeutischen Handeln.
Wenn man den Menschen als
Ganzes in den Mittelpunkt des therapeutischen Handeln stellt, dann wird man über
die inneren Wechselwirkungen der Therapien nur ein relativ hypothetisches Wissen
erlangen können. Man hat geholfen und weiß häufig in einem
reduktionistisch-materialistischen Sinne nicht warum. Diese ganzheitliche
Strategie ist bei allen Nicht-Notfallerkrankungen die empirisch bewährte
Handlungsweise der Alternativen Medizin, denn die Förderung der
Selbstheilungspotenziale des Ganzen bewirkt grundsätzlich keine schädlichen
Nebenwirkungen.
Der grundlegende theoretische
Überbau (das Weltbild) der Alternativen Medizin und der Schulmedizin sind
diametral verschieden. Die grundlegenden philosophischen Annahmen beider
Weltbilder sind nicht „wissenschaftlich beweisbar“.
Der kranke Mensch kann in
unserer Gesellschaft zwischen dem Handlungswissen zweier komplementärer
Medizinmodelle wählen. Beide haben ihren Zweckmäßigkeitsbereich. Der Mensch
sollte diese Modelle ganz undogmatisch als Werkzeuge für seine jeweiligen
Probleme benutzen.
Nutze ich die Schulmedizin,
dann blockiere ich im wesentlichen physiologische und biochemische
Teilfunktionen (z.B. mit Antiallergika), um äußerlich wieder schnell
funktionieren zu können.
Oder gehe ich meinen
Entwicklungsweg und fördere meine Selbstheilungspotenziale (auch wenn ich die
inneren physiologischen Wechselwirkungen dieser Handlungsweise zum großen Teil
nicht „wissenschaftlich“ verstehe).
Diese Art der Hilfe zur
Selbsthilfe bieten die Naturheilkundler seit jeher in Deutschland an,
kompromisslos, ohne sich reduktionistisch-materialistischen Beschränkungen
aufzuerlegen. Jenseits der wissenschaftlichen Moden einer Zeit nutzen sie
empirisch bewährte Heilverfahren unter besonderer Berücksichtigung der
individuellen Entwicklungssituation eines Menschen.
Die Erfolge solcher
alternativen, ganzheitlichen Strategien lassen sich auch vielfach nach den
Regeln der heutigen Wissenschaft reproduzierbar belegen (z.B. Homöopathie,
Akupunktur, MORA®-Bioresonanztherapie), wenn auch nicht oder nur
teilweise reduktionistisch-materialistisch erklären. Und genau hier „liegt der
Hase im Pfeffer“.
Allerdings Wissenschaft mit
Reduktionismus und Materialismus gleichzusetzen, wie es heute mehrheitlich
üblich ist, ist absurd. Eine solche Erkenntnismethodik als fast einzigen Maßstab
einer offiziellen Heilkunde zu nehmen, ist noch absurder und fatal für unsere
Gesellschaft. Die wissenschaftliche Methode ist eine Hilfsmethode zum Erkennen
und Verstehen. Sie ist nicht die Methode des Erkennens schlechthin.
Der Mensch ist eine Ganzheit
mit körperlichen, seelischen und geistigen Aspekten. Er ist keine bloße Summe
seiner physiologischen oder biochemischen Teilfunktionen oder seiner
Organfunktionen. Gerade das Zusammenspiel (die Beziehungen) der „Teilfunktionen“
als Ganzes macht sein Menschsein aus.
Eine Krankheit ist eine
Eigenschaft des ganzen Menschen und nicht einer isoliert betrachteten Zelle oder
eines isoliert betrachteten Organs. Sie hat Ursachen und Bedeutung im Leben
eines Menschen. Der Mensch ist keine technische Maschine, deren
Nichtfunktionieren sich nur auf Funktionsstörungen einzelner Teilfunktionen
reduziert.
TOP
Literatur
Galle M:
MORA-Bioresonanztherapie ... und es funktioniert doch! Pro-medicina-Verlag,
Wiesbaden 2002.
Galle M.: Elemente physikochemischer,
biochemischer und biologischer Grundlagen der Bio-Elektronischen Terrain-Analyse
(BE-T-A). Sonderdruck 2004.
Galle M.: Die BE-T-A bestimmt den
entropischen Zustand des Menschen – Ein Beitrag zur Theorie der BE-T-A.
Biologische Medizin (1), 37-40, 2005.
Uexküll Th von, Wesiack W:
Theorie der Humanmedizin. Urban und Schwarzenberg-Verlag, München 1998.
Zycha H: Organon der Ganzheit
(Die Überwindung des reduktionistischen Denkens in Natur-wissenschaft und
Medizin durch die Kybernetik). Haug-Verlag, Heidelberg 1996.